Eine Liebeserklärung an die Mobilität: Meine Bewerbungsrede bei der Aufstellungsversammlung

von Jens -

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Eine Liebeserklärung an die Mobilität: Meine Bewerbungsrede bei der Aufstellungsversammlung

Liebe Freund*innen, 

viele von uns hatten als Kind vermutlich den Wunsch Lokführer*in zu werden. Jedenfalls war es bei mir so. Mein Opa musste mit mir viel Zeit an Bahnhöfen, Bahnübergängen oder Brücken verbringen, damit ich mir die Züge anschauen konnte. Nicht aus politischem Bewusstsein, sondern aus Faszination. Ich glaube, dies war der Kristallisationspunkt für meine Begeisterung für nachhaltige Mobilität. 

Heute ist mir klar: Mobilität verbindet so vieles. Man könnte sogar sagen, Mobilität ist die Grundstruktur unserer Stadt. Sie entscheidet darüber, wer Zugang zu Chancen hat und wer nicht. Wer gesund lebt und wer unter Lärm und Abgasen leidet. Sie entscheidet über den Alltag von Menschen. Darüber ob Kinder sicher zur Schule kommen, ob ältere Menschen selbstständig bleiben können, Wer sich frei bewegen kann und wer ausgeschlossen ist. 

  • Mobilität ist Sozialpolitik, weil Teilhabe durch Mobilität gewährleistet wird. Wer nicht mobil ist, wird schnell ausgeschlossen – das ist auch eine finanzielle Frage, die wir politisch beantworten müssen. 
  • Mobilität ist auch Wirtschaftspolitik, weil die Wirtschaft ohne Erreichbarkeit und Lieferwege nicht funktionieren kann. Braunschweig ist Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort – mit Firmen wie Volkswagen, Alstom und Siemens, mit all seinen Forschungsinstituten, mit Handwerk und Mittelstand. Sie alle brauchen erreichbare Standorte und Mitarbeiter*innen, die zuverlässig ankommen.   
  • Mobilität ist aber auch Klimapolitik, weil sie ein wichtiger Hebel für echten Klimaschutz ist. Über 20 % der deutschen Treibhausgasemissionen entstehen im Verkehr – 
    und während andere Sektoren Emissionen senken, stagnieren sie hier seit Jahrzehnten. 
  • Mobilität ist Gesundheitspolitik, weil Stadtluft, Lärm und Bewegungsmöglichkeiten direkt über Lebensqualität entscheiden. Diese Faktoren wirken sich nicht nur auf uns Menschen, sondern auch auf Tiere aus, die in der Stadt leben. Lärm stört ihre Kommunikation, Schadstoffemissionen vergiften sie schneller als das bei Menschen der Fall ist. Und damit ist Mobilität eben auch Artenschutz

Mobilität ist im Kern eine Gerechtigkeitsfrage

  • Wer an Hauptverkehrsstraßen wohnt, trägt die Lasten von Lärm- und Schadstoffemissionen.  
  • Wer es sich leisten kann, zieht an den Stadtrand oder ruhige Vororte und pendelt mit dem Auto. 
  • Wer kein Auto hat, ist oft strukturell benachteiligt. 

Das ist aber doch kein Naturgesetz, das ist politische Gestaltung.  

In Kopenhagen gibt es im Winter morgens Stau auf dem Radweg, während man in Braunschweig darauf hoffen muss, dass der Winterdienst seine Arbeit gemacht hat.  

In Utrecht werden 60% aller Wege im Binnenverkehr mit dem Rad zurückgelegt, in Braunschweig weniger als 30%. 

Und Münster zeigt seit Jahrzehnten, dass konsequente Radpolitik Stadtentwicklung verändern kann – nicht als Symbolpolitik, sondern als Infrastrukturpolitik.  

Gute Mobilität entsteht nicht zufällig! Gute Mobilität entsteht durch politische Entscheidungen.  

Um einen Wandel zu erreichen, müssen wir gute Alternativen schaffen. Alternativen, die zuverlässig sind, Alternativen, die bezahlbar sind, Alternativen, die so gut funktionieren, dass Menschen sie freiwillig nutzen. Ein starker ÖPNV, eine funktionierende Radinfrastruktur, gute Fußwege - und smarte Angebote wie Car- und Bikesharing, die alles miteinander verknüpfen. Das sind doch die Voraussetzungen dafür, dass die Verkehrswende nicht nur Theorie bleibt, sondern Realität wird.  

Ich kandidiere, weil ich überzeugt bin:  

  • Gute Mobilität verbindet, sie trennt nicht. 
  • Sie schafft Freiheit statt Abhängigkeit 
  • Sie schafft Teilhabe statt Ausgrenzung 
  • Sie schafft Lebensqualität statt Belastung 
  • Und sie schafft Zukunft statt Stillstand 

Ich möchte im Rat der Stadt Braunschweig daran mitarbeiten, dass in Braunschweig Kinder sicher mit dem Rad unterwegs sein können, dass ältere Menschen selbstständig von A nach B kommen und dass die Lärm- und Abgasbelastung sinkt. 

Mobilität entscheidet darüber, wie gerecht, wie lebenswert und wie zukunftsfähig unser Braunschweig ist.  Und genau dafür kandidiere ich! 

MobilitätPolitikUmweltschutzNachhaltigkeit

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Über Jens

Hi! Ich bin Jens, Doktor der Naturwissenschaften! Als Doktorand in Anorganischer Chemie an der Technischen Universität Braunschweig erforschte ich in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Bröring die faszinierende Welt der Porphyrinoide. Diese Strukturen, inspiriert von der Natur, stehen hinter lebenswichtigen Molekülen wie Häm, dem roten Blutfarbstoff, und Chlorophyll, dem grünen Pflanzenfarbstoff. Neben der Wissenschaft gehört die Softwareentwicklung zu meinen Interessen. Meine Reise begann mit einer frühen Faszination für die Softwareentwicklung, die in der Schule mit dem programmierbaren Taschenrechner geweckt wurde. In meiner Zeit als Doktorand kombinierte ich meine Forschung mit der Entwicklung von Software, um wissenschaftliche Erkenntnisse voranzutreiben.

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